Projekt 02 · Plattform- und Medienforschung

Zur sozialen Morphologie
mikroöffentlicher Dauerpräsenz.

Eine explorative Untersuchung der Lebensführung, Selbstadressierung und relationalen Praxis von TikTok-Livestreamenden mit einstelligen Publika.

In Arbeit · Literaturbasierter Entwurf · Nicht peer-reviewed

Die Ausgangsfrage

Warum stellen Menschen am Abend oder in der Nacht ihr Telefon auf, beginnen einen TikTok-Livestream und senden über längere Zeit für ein Publikum, das häufig aus weniger als zehn Personen besteht?

Das Forschungsprojekt richtet den Blick nicht auf prominente Influencer oder professionell organisierte Reichweitenakteure. Untersucht wird eine wenig beachtete Form digitaler Öffentlichkeit zwischen alltäglicher Begleitung, sozialer Nähe, Selbstdarstellung, Gewohnheit und der Hoffnung auf Sichtbarkeit.

Was ermöglicht das Senden mit wenigen anderen – und welche Kosten hat diese Form der Öffentlichkeit?
1–10gleichzeitige Zuschauer
6vorläufige Idealtypen
5fachliche Anfragen

Woran gearbeitet wird

  • Welche Formen der Lebensführung und Alltagsorganisation werden in diesen Streams sichtbar?
  • Welche Funktion erfüllt ein Publikum aus wenigen, teilweise wiederkehrenden Personen?
  • Handelt es sich um Unterhaltung, Gemeinschaft, Selbstvergewisserung, Sichtbarkeitsarbeit oder um Mischformen?
  • Was unterscheidet einen Live-Raum mit fünf Zuschauern sozial von einem Stream mit mehreren Tausend?
  • Welche Belastungen, Grenzverschiebungen und Abhängigkeiten können aus dieser kleinen Öffentlichkeit entstehen?

Vorläufiger Arbeitsstand

Die erste Fassung ordnet den Forschungsstand zu Microstreaming, sozialer Präsenz, parasozialer Nähe, Plattformarbeit und TikTok. Sie entwickelt sechs überlappende Idealtypen: sozialer Anker, Alltagsbegleiter, Erprobungsraum, Sichtbarkeitssucher, Mikro-Unternehmer und Grenzöffner. Diese Begriffe beschreiben Situationen und Praktiken, keine festen Persönlichkeiten oder Diagnosen.

Eine empirische Anschlussstudie mit wiederholter Beobachtung öffentlicher Live-Räume und freiwilligen Interviews ist methodisch skizziert, aber noch nicht durchgeführt. Das Projekt behauptet daher keine gesicherten Aussagen über eine gesamte Personengruppe.

Fachliche Einschätzungen

Für kurze wissenschaftliche Einordnungen wurden Mia Consalvo, Andrei Zanescu, Grant Wiedenfeld, Claudia Flores-Saviaga und Andrew Phelps kontaktiert. Die Anfragen betreffen Motive des Microstreamings, die soziale Struktur kleinster Live-Publika und geeignete Forschungsmethoden.

Die Kontaktaufnahme bedeutet noch keine Beteiligung, Zustimmung oder Unterstützung durch die genannten Personen. Stellungnahmen werden erst nach Eingang und nur mit ausdrücklicher Zitiererlaubnis in das Paper aufgenommen.

Was als Nächstes folgt

Nach Eingang der fachlichen Rückmeldungen wird der Literaturentwurf überarbeitet. Anschließend sollen Forschungsinstrumente, Einwilligungstexte und Auswahlregeln für eine mögliche empirische Untersuchung präzisiert werden.

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